Bewusst leben – Warum ich die fade Wassermelone aufgegessen habe
Wir hatten neulich eine Wassermelone, die quasi nach Wasser schmeckte. Ohne Melone. Du kennst das vielleicht – diese Sorte, bei der du nach dem ersten Bissen schon weißt, dass das nichts wird. Ich habe trotzdem meine Portion aufgegessen.
Nicht, weil sie mir geschmeckt hätte. Sondern weil ich es nicht übers Herz bringe, Lebensmittel wegzuwerfen. Das ist eine dieser kleinen, unspektakulären Sachen, die ich unter bewusst leben verstehe – und über die ich heute schreiben möchte.
Bewusst leben heißt nicht perfekt leben
Wenn ich ehrlich bin, gibt es bei mir kein großes Manifest, keine Liste an der Kühlschranktür, kein striktes System. Vieles ist mit den Jahren gewachsen, durch Erfahrung, durch Beobachten, durch kleine Korrekturen. Nicht durch einen Tag der großen Entscheidung.
Ich denke darüber gerne wie über einen Marathon: jeden Tag ein Prozent besser. Nicht zwei, nicht zehn – eins. Ein Prozent klingt nach nichts. Aber ein Prozent, das du wirklich durchhältst, ist mehr wert als hundert Prozent, die du nach drei Wochen aufgibst. Das gilt für den Garten, fürs Schreiben hier und eben auch fürs Leben.
Lieber gebraucht als neu
Ich kaufe selten neue Sachen. Lieber gebrauchtes, altes, bewährtes. Etwas, das schon einmal funktioniert hat und wieder funktionieren wird. Etwas mit Geschichte.
Die einzige Ausnahme: meine Arbeitsmittel. Die müssen laufen. Da gehe ich keinen Kompromiss ein, weil sie das tägliche Tun tragen. Aber alles andere – warum nicht zweite Hand? Möbel haben oft mehr Charakter, wenn jemand schon mit ihnen gelebt hat. Werkzeug ist oft besser, wenn es aus einer Zeit kommt, in der noch nicht jede Schraube auf Verschleiß gebaut wurde.
Das Gefühl, das richtige zu tun
Wenn du mich fragst, was diese kleinen Gewohnheiten am Ende geben: das gute Gefühl, das Richtige zu tun. Nichts Großes, nichts Lautes. Ein leiser innerer Haken, der gesetzt wird.
Und ja – ich zweifle auch. Lohnt sich das? Macht eine fade Wassermelone den Unterschied? Wahrscheinlich nicht. Aber Zweifeln ist normal. Sich nicht jeden Tag damit zu beschäftigen, ist normal. Auszeiten zu haben, in denen du einfach das Bequeme machst, ist auch normal. Du musst dich nur immer wieder daran erinnern, wofür du es eigentlich tust.
Was ich in Griechenland spüre
Genau dieses einfachere, minimalistischere Leben ist es, was ich in Griechenland spüre, wenn ich dort bin. Wenig Zeug, viel Natur. Eine Mahlzeit aus dem, was eben da ist. Werkzeug, das seit Jahrzehnten dasselbe tut.
Alles, was du wirklich brauchst, gibt dir die Natur. Den Rest hast du dir nur eingeredet.
Vielleicht ist das am Ende der Kern. Bewusst leben ist nicht Verzicht. Es ist Erinnern. An das, was eigentlich reicht. Und an die fade Wassermelone, die trotzdem ihren Zweck erfüllt hat.
